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Bahn-Lärm: Meist lauter als genehmigt
Infos mit Musterantrag auf Lärmmessung durch das Eisenbahn-Bundesamt
Von: @RA Matthias Möller-Meinecke <2004-02-02>
Messung von 13.000 Zugvorbeifahrten an 365 Messorten in ganz Deutschland zeigt:
Schienenverkehr oft doppelt so laut wie zulässig. Der Lärm wurde durch sechs gravierende Fehler verniedlicht.
RA Möller-Meinecke: Viele Anwohner haben Anspruch auf Tempobegrenzung, (höhere) Schallschutzwände oder baulichen Lärmschutz.

Messung von 13.000 Zugvorbeifahrten an 365 Messorten in ganz Deutschland zeigt:
Schienenverkehr oft doppelt so laut wie zulässig. Der Lärm wurde durch sechs gravierende Fehler verniedlicht.

RA Möller-Meinecke: Viele Anwohner haben Anspruch auf Tempobegrenzung, (höhere) Schallschutzwände oder baulichen Lärmschutz

Musterantrag auf Lärmmessung durch das Eisenbahn-Bundesamt

Eine langjährige Messkampagne des Umweltbundesamtes (UBA), bei der etwa 13.000 Zugvorbeifahrten gemessen wurden, beweist jetzt, was viele Anwohner an stark befahrenen Bahnstrecken empfinden: Die Bahn ist häufig lauter als in der Genehmigung von ihr selbst berechnet wurde. Die Ergebnisse der Messungen belegen: Die Differenzen zwischen den Berechnungsangaben der Bahn und der Wirklichkeit der Geräuschentwicklung von Zügen ist enorm - in der Lärmwirkung kommen die Messergebnisse einer Verdoppelung der Zahl der vorbeifahrenden Züge gleich.

Die Gründe für diese kapitale Fehlprognose in der Planfeststellung der Bahnstrecken liegen vor allem in der Art und mangelhaften Pflege der Gleise sowie bei den Bremssystemen der Züge. Der Lärm, den Züge verursachen, wurde in der Vergangenheit mit einem fehlerhaften Berechnungsverfahren ermittelt. Denn dabei wurden erhebliche Abweichungen zwischen der berechneten und der tatsächlich gemessenen Geräuschentwicklung der vorbeifahrenden Züge übersehen.

Die sechs gravierenden Fehler der Schallberechnungen im Detail:

  1. Bisher galt: Alle Züge, die auf Holzschwellengleisen fahren, sind um 2 dB(A) leiser als auf Betonschwellengleisen. Für Züge mit Graugussklotzbremsen trifft das aber nicht zu, sie sind erheblich lauter als auf Betonschwellen.
  2. Für Hochgeschwindigkeitsstrecken gibt es die besondere Gleisart "Feste Fahrbahn". Hier ist ein Zug etwa doppelt so laut als auf einem Betonschwellengleis. Diese höhere Geräuschentwicklung versucht man durch Montage von Absorbern auf die "Feste Fahrbahn" vollständig zu kompensieren. Ohne Absorber sind Güter- und auch IntercityZüge (IC) jedoch lauter wie in den überholten Rechenmethoden unterstellt.
  3. Die Absorber dämpfen bei diesen Zugarten die Geräusche geringer als bislang unterstellt.
  4. Die UBA Untersuchung zeigt auch, dass beim ICE 1 und ICE 2 die Wirkung von Schallschutzwänden nicht so hoch ausfällt, wie vom Eisenbahn-Bundesamt in den Berechnungen unterstellt wurde. Die Folge: Trotz Schallschutzwänden sind Anlieger an diesen Strecken unzureichend vor Lärm geschützt.
  5. Gleis-Schleifverfahren bringen sehr unterschiedlichen Erfolg. Das "Oberbauschleifen" der Gleise, das meist der Betriebssicherheit dient, bringt bei Zügen mit Graugussklotz-gebremsten Wagen mit nur 1,5 dB(A) wenig Geräuschreduzierung. Scheibengebremste Züge erreichen hingegen eine Pegelminderung von 3 bis 4 dB(A). Um die Vorgaben der Berechnungsverfahren hier einzuhalten, müssten im Mittel alle neun Jahre die Gleise geschliffen werden.
  6. Das aufwendigere "akustische Schleifen" - Bestandteil der vom Bundesverwaltungsgericht als Lärmminderungsmaßnahme noch anerkannten "Besonders überwachtes Gleis" - reduziert bei scheibengebremsten Zügen die Geräuschentwicklung um 6 bis 7 dB(A). Bei Zügen mit Graugussklotzbremsen aber ergibt sich durch diese Schleiftechnik auch hier – nach der UBA Untersuchung - nur eine Verbesserung von 1,5 dB(A). Um den Zielwert für das "Besonders überwachte Gleis" einzuhalten, müsste - über alle Züge gemittelt - alle zwei Jahre "akustisch" geschliffen werden. Dazu hat die Bahn aber weder ausreichend Schleifzüge noch stellt sie ausreichend Geld dafür ein.

Leidtragende sind Anwohnerinnen und Anwohner an Bahnstrecken. Sie sind höheren Lärmbelästigungen ausgesetzt, weil die Lärmschutzeinrichtungen - zum Beispiel Wälle oder Wände – nur auf die fehlerhaft errechnete Lärmentwicklung ausgelegt sind. An Altstrecken fehlt oft jeder Schutz, obwohl der Lärm inzwischen die Grenze zum enteignungsgleichen Eingriff überschritten hat.

Rechtsanwalt Matthias Möller-Meinecke, der über zehn Jahre die Bahn und das Eisenbahn-Bundesamt vor Gericht vertreten hat, empfiehlt den von ihm jetzt g e g e n diese Behörde an zahlreichen Strecken beratenden Anwohnern, vom Eisenbahn-Bundesamt unter Berufung auf die Berechnungsfehler erstmals eine Messung des Bahnlärms und anschließend konsequenten Schallschutz einzufordern: „Die in ihrer Gesundheit bedrohten Anlieger haben einen Anspruch auf sofortigen Schallschutz. Bis die nötigen Lärmschutzwände gebaut sind, muß die Bahn dazu insbesondere in Nacht- und Ruhezeiten eben auch langsamer und damit geräuschärmer fahren.“ Also auch ein Tempolimit für Güterzüge zur Nachtzeit.

 

Der Musterantrag:

Eisenbahn-Bundesamt
Heinemannstr. 6
53175 Bonn

"Ich beantrage den wirksamen und sofortigen Schutz meiner Gesundheit und/oder meines Wohneigentums gegenüber dem unzumutbaren Bahnlärm."

Die Berechnungsfehler sind auch von den Städten und Gemeinden durch eine Überarbeitung ihres Lärmminderungsplanes, der in § 47a Bundesimmissionsschutzgesetz vorgeschrieben ist, zu korrigieren. Rechtsanwalt Möller-Meinecke: „Diese Korrektur erlaubt dann auch vielen Städten und Gemeinden an Bahnstrecken, vom Eisenbahn-Bundesamt zusätzlichen Schallschutz zugunsten ihrer Bürger einzufordern und ggf. einzuklagen.

Der Anwalt fordert auch Transparenz mehr Transparenz beim Schallschutz der Bahn: "Die Lärmbelastung muß nicht nur durch regelmäßiges Schleifen der Gleise reduziert werden, die Bahn soll auch Jahresbilanzen veröffentlichen, an welchen Strecken sie zuletzt die Schienen geschliffen hat."


Autor: Matthias Möller-Meinecke, Rechtsanwalt, Fachanwalt für Verwaltungsrecht

Themen hierzuAssciated topics:

Lärmschutz Bahnlärm Umweltbundesamt Lärmbelastung Schienenverkehr Lärm-Messungen Schallschutzwände

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